Nationales Treffen zum Thema Gemeinschaftliches Wohnen in Frankreich: das FORUM war dazu eingeladen

In der Zeit vom 5. bis zum 7. Juli 2018 fand in Nantes, an der Loire-Mündung und am südlichen „Eingang“ in die Bretagne gelegen, eine nationale Zusammenkunft von Organisationen, Beteiligten und Interessierten rund um das Thema gemeinschaftliche Wohnformen in Frankreich statt. Sie wurde, wie auch 2015 in Marseille, von einem Zusammenschluss verschiedener regionaler und nationaler Organisationen weitgehend ehrenamtlich vorbereitet. Ort der Veranstaltung war die Architekturhochschule „ENSA“ auf der Loire Insel im Zentrum von Nantes. Etwas mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher konnten knapp 150 Veranstaltungen mit einem breiten Themenspektrum um das gemeinschaftliche Wohnen besuchen. 

Eingeladen war auch das FORUM von „Hal‘ âge“ (http://halage.info/), einem französischen Verein, der, wie das FORUM, einen besonderen Schwerpunkt auf das gemeinschaftliche Wohnen im Alter legt. In einem als „Table ronde“ bezeichneten Format ging es am Eröffnungstag um einen Blick auf die europäische Dimension neuer Wohnformen. Mehr als 150 Interessierte folgten den Referentinnen und Referenten, die die aktuellen Entwicklungen in Frankreich, Belgien und Deutschland aufzeigten. Für Frankreich wurde von verantwortlichen Mitgliedern von „Hal‘ âge“ dargelegt, dass es insgesamt – je nach Zählweise - zwischen 200 bis 500 realisierte Projekte gibt, die mehrheitlich im individuellen Eigentum organisiert sind. In den letzten Jahren habe die Bewegung deutlich an Zulauf zugenommen. Für Belgien wurde exemplarisch das ursprünglich aus Großbritannien stammende Konzept der „Abbeyfield-Häuser“ (http://www.psychotherapie-im-alter.de/index.php?id=abbeyfield_haus) vorgestellt, eine Variante gemeinschaftlichen Wohnens, die hierzulande, im Gegensatz zu Belgien, nicht häufig vorkommt. Dr. Josef Bura vom FORUM legte die Entwicklung aktueller gemeinschaftlicher Wohnformen in Deutschland von den Anfängen über die Hausbesetzerinnen- und Hausbesetzerbewegung bis heute dar. Er konnte aufzeigen, dass neue Wohnformen inzwischen vielfach zu anerkannten Partnerinnen von Kommunen für die Quartiersentwicklung geworden sind, was allseits mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen wurde.

Während der Veranstaltung konnte Dr. Josef Bura als Gast im Wohnprojekt „les petits moulins“ sehr herzliche französische Gastfreundschaft genießen. Dieses Projekt liegt im Süden vor den Toren von Nantes, nicht weit entfernt von dem berühmten „Maison radieuse“, einem genossenschaftlich organisierten „Wohnprojekt“ des weltweit bekannten französischen Architekten Le Corbusier aus der Mitte der 1950er Jahre. Damals zogen 1.200 Menschen, vor allem junge Familien von Arbeitern und Angestellten aus dem nahe gelegenen Nantes in die 294 Wohnungen des spektakulären und architektonisch auch umstrittenen Hochhauses (von den Bewohnerinnen und Bewohnern liebevoll „le Corbu“ genannt) ein.

24.07.2018